Mittwochabend begann gleich mit einem Marsch ins Magielager, um den neuen Magie-Avatar zu begrüßen. Irgendwie hab ich den verpasst, aber man sagte mir, sie wäre sehr eindrucksvoll. Ich war die meiste Zeit noch mit Sticken und Nähen von meiner Gewandung beschäftigt. Donnerstag morgen verpasste ich erst einmal die Morgenmesse... Dann begann auch schon unsere Mission: Viele Siedler kamen zu uns, um sich über die Wahl zu erkundigen. Es ging darum, ob das Siegel der Ratio nächstes Jahr oder erst in nächster Zeit, wenn die Siedler denken, sie wären bereit dazu, geöffnet werden sollte. Die Elemente möchten dass Siegel gleich, also binnen eines Jahres, öffnen, aber sie geben den Siedlern den freien Willen, sich selbst zu entscheiden. Die Tivar Khar'assil, die hingebungsvolle Diener der ersten Schöpfung, also der Elemente, sind, missionieren nun eifrig um die Öffnung des Siegels zu ermöglichen. Die Quai hingegen bevorzugen, es ruhiger angehen zu lassen und noch etwas zu warten. Sie sind der Meinung, wir werden immer stärker, und könnten vielleicht andere Verfemte Elemente vor der Öffnung des Siegels schon besiegen. Der Kampf der letzten 10 Jahre zeigt aber, dass jetzt der richtige Augenblick ist. Die Bestätigung dazu erhielten wir am Abend des Erztages, nach der Wahl. Aber dazu später. Im Laufe des Tages erfuhren wir, das Athariot, Sohn der Almahandra, mit Camira in den Reihen der Untoten gesichtet worden war. Er wurde von ihr durch ein Amulet und durch Essenz des Schwarzen Eises kontrolliert. Schon am Nachmittag machten wir uns auf den Weg, Camira das Amulett zu entreißen. Ohne Rücksichtnahme auf ihr Leben warf sich Rancalla, eine erwachte Alte Herrscherin der Ewigen Schwerter und ehemalige Freundin von Camira, ebendieser in den Weg, um sie aufzuhalten. Mit Hilfe der Malaka'Re Skarr, die sich tapfer in den Weg stellte - entgegen ihrer Natur, sich zu verstecken – konnten wir das Amulett erlangen. Sofort wurde unser schnellster Läufer zur Almahandra geschickt, die alles weitere in die Wege leitete. Eine kurze Zeit lang fürchteten wir, um Rancalla wäre es geschehen, aber Terra war mit ihr. Bereits in der Nacht erreichte uns die Nachricht, dass Athariot erfolgreich befreit wurde, und nun im Feuerlager seiner Genesung harrte. Irgendwann an diesem Tage, ich kann es zeitlich nicht mehr zuordnen, trafen wir bei den sogenannten Tempeln des Schwarzen Eises auf paktierungswillige Siedler. Wir versuchten, sie vor der Gefahr zu warnen und einen Waffenmeister festzunehmen. Die Ereignisse überschlugen sich, als der Archon des Südens, Tuachal, plötzlich auf alle Tivar Khar'assil die in seinem Sichtfeld waren losging. Ich rannte, wie ich noch nie in meinem Leben gerannt war, dennoch war ich zu langsam für ihn. Ich weiß nicht, wie vielen Menschen, die sich ihm tapfer in den Weg stellten, ich mein Leben zu verdanken habe. Als Faryanne mit ein paar restlichen Ewigen Schwertern zufällig vorbei kam, konnte man hinter Tuachal, der ihr mit seinem großen Hammer entgegen ging, die Wiese rot-weiß gepflastert sehen... Nachdem seine Nyame und andere ihn endlich zur Besinnung bringen konnten, war auch der erste Schock vorüber. Trotz schlimmer Verletzungen hatten wir den Elementen sei Dank niemanden verloren.
Freitagmorgen veranstaltete unser Anwärter, Lodrick, das Ritual des Kreislauf des Lebens bei der Morgenandacht. Es kam gerade recht, denn kurz danach wurden wir von einer unüblich großen Patrouille Rhaks des Schwarzen Eises angegriffen. Am späten Nachmittag war ein Duell von Gaheris gegen Argus angesetzt. Mithilfe einer besonderen Waffe (das Clover) sollte er besiegt werden. Uns war mulmig zu Mute, als wir uns den Schaulustigen anschlossen und die Vorbereitungen Gaheris beobachteten. Zuerst opferte Gaheris 10 Menschen, um die Macht des Clover zu Stärken. Dann, zum Schrecken der gesamten versammelten Tivar Khar'Assil, benutzte sie dessen Macht, um die Waffe Argus, ein Champion des Untoten Fleisches, gegen ihn zu benutzen. Das war nicht richtig. Auch der Sieg, den Gaheris errang, war nicht richtig. Die Meute jubelte, doch wir konnten uns nicht im geringsten Freuen. Die Angst, das etwas schreckliches passieren würde, überkam mich. Und gerade, als Orathon den Tod Argus feststellte, trat es ein. Plötzlich fielen alle Edalphi zu Boden. Ein Schreck durchfuhr mich, und meine Gedanken rasten. War der Fluch der Edalphi eingetreten? Aber die Ratio war doch nicht befreit-oder?!! Erst später dämmerte es uns... Die Lebensenergie der Edalphi, die in einem großen Energiepool gesammelt wird, speist fünf Wesen. Und Argus war einer davon. Estaher de vo Canar, eine Alte Herrscherin, die anscheinend den Weltenbrand überdauerte und nicht geschlafen hatte (d.h. Viel mächtiger als unsere Alten Herrscher ist) erschien und drohte der Nyame Kashalee mit dem Tod, wenn sie den Fluch der Edalphi nicht lösen würde. Die neuesten Vermutungen besagen, dass die fünf Wesen, die durch diesen Fluch Unsterblichkeit erlangten, Estaher, Argus, Marien, Lisa (alle drei angeblich Kinder von Estaher) und das Goldene Kind sind. Nachdem das Goldene Kind die Seele des Landes ist, fürchten wir ein wenig die Auflösung des Fluches.
Am Erztag standen Quai und Tivar Khar'assil gemeinsam Wache bei der Waage, damit die Wahl gerecht und so anonym wie möglich vonstatten ginge. Scharren der Siedler kamen, um sich an der Wahl zu beteiligen. Und dennoch waren es so wenige. Während der Wahl gab es auch einen Aufmarsch aller Lager, die gesamte Wiese vor der Waage war mit Kriegern und Bannern übersät. Grund war die Schließung des Sphärenriss, wenn ich mich Recht erinnere. Die Auswertung zeigte eindeutig, das unsere Überzeugungsarbeit von Erfolg gekrönt war, die überwiegende Mehrheit stimmte für die schnellstmögliche Öffnung des Siegels. Zwar waren bei der Auswertung der Wahl drei Avatare und eben so viele Nyamen zugegen, doch diese stürmten zu ihren eigenen Lagern, als riesige Truppen des Untoten Fleisches und des Schwarzen Eises angriffen. Die Almahandra erkannte die Gefahr sofort, und die Tivar Khar'assil liefen so schnell ihre Beine sie trugen zurück zum Eheren Tor. Und obwohl wir rechtzeitig waren, obwohl die Naldar uns zur Hilfe eilten, waren wir zu wenig, so viel zu wenig. Das Schwarze Eis brauchte nur eine ihrer Truppen auszusenden um uns aufzuhalten. Wir mussten hilflos zusehen, wie Argus mithilfe eines Magiers aus Ain Schwefelnis' Hofe durch das Tor dem Siegel der Ratio entgegen schritt. Nachdem der Donnerstag ein so guter Tag war, Athariot befreit und zwei Champions vernichtet, waren Freitag und Samstag umso schlimmer. Knapp davor, unsere Hoffnung zu verlieren, verarzteten wir Töchter der Tugend die Wunden unserer Schwerter. Yael brachte mir anhand Mandrid's Rippenbruch bei, wie man diesen behandelt. Nachdem noch nicht aller Tage Abend war, und der Orden noch Arbeit zu verrichten hatte, marschierten wir ins Wasserlager, um auf Avatar Aquas' Geheiß hin Paktierende der öligen Pestilenz zu richten. Die Situation eskalierte, die Siedler des Wasserlagers lehnten sich gegen uns auf, stellten unsere Rechtmäßigkeit als Richter und den Avatar Aquas selbst in Frage. Um ein weitläufiges Blutbad zu vermeiden, entschlossen wir uns die Hinrichtung außerhalb des Lagers zu vollziehen. Goldmund wurde geköpft, da sie eindeutig schuldig war – sie versicherte, paktiert zu haben, und es wieder tun zu wollen – die anderen bekamen eine mildere Strafe, da Aqua im Namen seines Lagers darum bat. Wir zogen schlussendlich ab, mit der Angst, dass die Siedler vom wahren Glauben abkommen würden und uns, die bedingungslosen Diener der Elemente, als „Bösewichte“ ansehen würden. Doch unsere Angst war unbegründet. Nach und nach kamen unsere Verbündete, die Elementarvölker, die Archonten und Nyamen und all jene unter dem Banner der Eisernen. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich darüber berichte. Wir waren mindestens 500 Mann auf dem Feld. Sie alle waren gekommen, um uns zu „schützen“, um zu zeigen, dass sie eisern im Glauben an die Elemente und an uns sind. Dieser Moment war schlichtweg episch. „Wir sind EISERN!“
8. Teil der Serie: Abschied von Ica, Lima, Peru.
vor 7 Jahren
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